8. Juli 2020

aj Saskia

Machmal muss man sich etwas Zeit nehmen und sich etwas gutes Tun. Das habe ich gestern gemacht. Schon am Donnerstag kam der Briefumschlag von Andreas Jorns an. Ich musste mich beherrschen nicht gleich reinzuschauen. Nein, ich wollte die Spezialausgabe von seinem Magazin aj nicht einfach so schnell verschlingen. Ich wollte sie geniessen. Mit allen Sinnen.

Ich liebe einfach Bilder. Aber so richtig mag ich es, wenn ich sie anfassen kann. Wenn dickes, raues Papier die Bildwirkung unterstützt. Am liebsten noch mit dem analogem Charme.

„Kommst Du mit zum Mittagessen?“, fragten mich meine Kollegen. „Nein, danke“. Nein, ich freute mich auf dem Moment ganz in dem HIER und JETZT zu sein. Die 136 Seiten von aj SASKIA zu geniessen. Ich ging auf die Dachterrasse, mit einem fantastischen Blick über Hamburg. Ja, ich liebe und weiß meinen Arbeitsplatz zu schätzen! Die Sonne schaute immer mal wieder raus, und der Wind half mir beim Umblättern. Das iPad spielte Musik im Hintergrund und ich war ganz alleine und genoss die Bilder.

Vorab, es ist für mich das beste Werk von Andreas. Ich konnte dabei sein, wie Paddy und Andreas, vor ein paar Wochen eingeladen haben und erzählten, wie sie so fotografieren und an welche Projekte sie gerade arbeiten. Da konnte ich mir ALLE (fast alle) Werke von Andreas angucken. Leider konnte ich mir seinen ersten Bildband UNinvited mit Karo nicht anschauen… Schon zu lange ist der Ausverkauft und er hatte ihn leider auch nicht dabei.

ABER so gerne hätte ich ihn mir einmal angeschaut. Erst recht nach dem tollen Workshop am letzten Sonntag mit Andreas und Karo, wo ich sie persönlich kennenlernen durfte. Was für ein toller Mensch!Also wenn einer seinen Exemplar Uninvited verkaufen möchte, möge er mir gerne eine Nachricht schicken oder wer es behalten möchte, mit dem treffe ich mich auch gerne auf ein Käffchen, z.B. in der schönen Hafencity… Oder vielleicht bitte ich Karo noch einmal um ein Shooting und bitte sie ihr Exemplar mitzubringen. Das wäre dann eine Win-Win-Situation…

Sorry, zurück zum aj SASKIA. Die ersten Bilder haben mich umgehauen. Nach, den ersten Seiten dachte ich, okay, dann hat er die besten Bilder zum Anfang rausgehauen. NEIN, ich liebe diesen Bildband, ich nenne ich jetzt einfach einmal so. Vom Anfang bis zum Ende! Es ist ein Meisterwerk der drei Protagonisten. Ja, drei!

Andreas der die Bilder gemacht hat, Saskia, die so natürlich rüberkommt und einfach nur schön anzuschauen ist und Matthes Zimmermann, der als Kurator hier wirklich eine schöne Handschrift hinterlassen hat.

Andreas – der Fotograf:

Als Betrachter fühlt man sich als Teil des ganzen. Man schaut sich nicht nur Bilder an. Andreas nimmt uns mit auf eine „Bilder“-Reise mit Saskia. Er schafft es mit den Stilmitteln Bildausschnitt, Schärfe, negative Space usw… uns auf eine abwechslungsreiche, spannende und letztendlich schöne Reise mitzunehmen.

Ich persönlich favorisiere die Bildern die durch ihre Unschärfe für mich eine völlig andere Intensität bekommen. Wer hat schon die „Eier“ in seinem Werk unscharfe Bilder zu zeigen? „Schärfe gibt es beim Inder“, sagt Andreas immer so schön.

Mit der Entscheidung für Schwarz-Weiss-Fotografie legt Andreas schon den Fokus auf die Person und für mich ist die Entscheidung für Unschärfe ein weiterer Focus. Ich habe das Gefühl, dass genau diese Bilder dadurch noch einmal intensiver sind. Man sieht Saskia z.B. durch eine „Regentropfenscheibe“ oder unbekleidet, nur ein Handtuch um ihren Kopf gewickelt. Dann brauche ich keine Schärfe, ich habe dann das Gefühl eines ganz intimen Moments mit ihr. Es ist einfach schwer zu beschreiben, aber durch diesen Bildband wächst in mir eine Liebe zu Unschärfe.

Saskia – das Model:

Ihr Bilder wirken so natürlich wie ich es noch nie erlebt habe. Ihr Blick, das Lächeln bis zum herzlichen Lachen, aber auch die Bilder, wo man eine Träne sieht, bewegen mich. Sie ist so authentisch, dass ich mit ihr Lachen aber auch Weinen möchte. Wir sehen hier eine tolle Person, die uns ihre Gefühle zeigt. Hier sind man keine Posen sondern den Menschen. Die Blicke in die Kamera sind intensiv und voller Ausstrahlung.

Aber auch die Aktbilder, für ich eine ganz große Kunst, gehen für mich überhaupt nicht ins pornografisch sondern sind einfach nur Bildschön. Wenn man alles weg läßt, die Kleidung, einen spannenden Hintergrund oder Location, also wirklich nur den nackten Menschen zeigt, dann ist es für mich die Essenz der Beziehung zwischen Model und Fotograf, die das Bild zeigt. Eine große Herausforderung an beide. Es ist sehr schwer zu beschreiben, aber Saskia schafft es, dass man ihr lieber in die Augen schauen möchte als auf ihren schönen Körper. Chapeau Saskia und Andreas!

Matthes – der Kurator:

Die Arbeit von Matthes erinnert mich an die Anfänge wie Josh Terlinden Bilder vom Stilpiraten bearbeitet hat. Subtil waren die Bilder des Stilpiraten einfach ein Stück besser. Aus tollen Bildern wurden richtig tolle Bilder. Seit dem bin ich auch ein großer Fan von seiner Bildbearbeitung.

So geht es mir mit der Arbeit von Matthes bei dem Bildband. Schon seit langem mag ich die Bilder von Andreas. Aber eine perfekte Auswahl und Reihenfolge / Dramaturgie machen diesen Bildband so einzigartig.

Ist alles perfekt?

Das schöne in der Fotografie ist, dass es hier kein Richtig oder Falsch gibt und man so schön unterschiedlicher Meinung sein kann. Andreas steht für seine natürlichen Bilder und dafür, dass er seine Bilder nicht groß bearbeitet. Bei dem einen oder anderen Bild (bei wirklich wenig Bildern) hätte ich etwas retuschiert. Manchmal gibt es eine einzelne Haarsträhnen, die mich ablenkt oder die noch sichtbaren Spuren des ausgezogenen Slips bei einem Aktbild hätte ich retuschiert.

Ist es Kritik? Nein, der wer bin ich den, dass ich diese tolle Arbeit der drei kritisieren könnte / dürfte, aber es ist mir aufgefallen.

Wenn ich zu diesem Bildband ein Zitat finden sollte, dann wäre es das Zitat von Aristoteles:

„Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile“

Ich überlege mir einen weiteren Band zu kaufen, dann ich weiß jetzt schon, dass ich sehr oft in diesen Band reinschauen werde und er dadurch leider nicht besser werden wird…

Danke, dass Ihr so lange durchgehalten habt, diesen wirklich langen Post zu lesen. Vielleicht seid ihr neugierig auf Andreas „aj Spezial“ SASKIA, dann ist hier der Link:

https://www.ajorns.com/aj/aj-saskia/

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ajax-loader